CARDS betreibt insgesamt vier Colleges, die jungen Dalits, insbesondere jungen Frauen, Zugang zu weiterführender Bildung und beruflichen Perspektiven ermöglichen.
Direkt auf dem CARDS-Campus befinden sich zwei Einrichtungen: Zum einen das Christian Women's Vocational Jr. College mit angeschlossenem Hostel. Dort studieren derzeit 194 junge Frauen, von denen 121 im Wohnheim auf dem Campus leben. Für viele von ihnen bedeutet das Hostel nicht nur eine Unterkunft, sondern auch einen geschützten Raum, in dem sie sich ganz auf ihre Ausbildung konzentrieren können, fernab schwieriger familiärer oder sozialer Umstände.
Ebenfalls auf dem Campus befindet sich das Christian Women's Degree College, an dem aktuell 34 Studentinnen eingeschrieben sind. Hier erhalten die jungen Frauen die Möglichkeit für ein weiterführendes Studium.
Etwa eine halbe Stunde vom CARDS-Campus entfernt, in Phirangipuram, liegen zwei weitere Bildungseinrichtungen auf dem Deenapur-Campus: Das Dr. Ranjan Babu Community Jr. College (RCJC) wird derzeit von 286 Schüler:innen besucht, die dort die 11. und 12. Klasse absolvieren und sich auf ihren weiteren Bildungs- oder Berufsweg vorbereiten.
Außerdem befindet sich dort das St. Xavier Institute of Pharmacy mit aktuell 424 Studierenden. Dieses Institut eröffnet jungen Menschen eine qualifizierte Ausbildung im pharmazeutischen Bereich und damit konkrete berufliche Zukunftsperspektiven.
Wohnheim für Studenten
Für die beiden Colleges wurde vor kurzem (Januar 2026) der Bau des ersten Stocks des Boys Hostels fertiggestellt, in dem die RJCJ Studenten unterkommen, der durch die Ersparnisse der Gründerfamilie finanziert wurde. Das 1. Stockwerk wurde von Dr. Swarnalatha Devi (Links im Bild) eingeweiht, die den Großteil der Kosten finanzierte, um die Erhaltung des Colleges zu sichern.

Auch wir, die deutschen Gäste, durften jeweils einen Raum “eröffnen”.
Das untere Stockwerk, für die Pharmaziestudenten, wurde bereits 2024 eingeweiht und mit Spenden von RANDI unterstützt. Mit dem nun vollständig nutzbaren Gebäude verbessert sich die Wohnsituation der Studenten deutlich. Ich hatte die Möglichkeit mit einigen von ihnen persönlich zu sprechen.

Diese 4 Studenten, im Alter von 18-24, erzählen, wie sehr sie sich über die neue Unterkunftsmöglichkeit freuen. In der alten Unterkunft gab es zunehmend Probleme. Die Räume waren insgesamt zu klein, vor allem bei hohen Temperaturen war es stickig, erklärt A. Jagan Mohan (rechts im Bild). Die neuen Räume seien größer, besser belüftet und insgesamt wesentlich angenehmer, berichtet M. Babi (zweiter von links). „Es ist einfach komfortabler“, fasst er die Veränderung zusammen.

So sehen die Räume im neuen Hostel aus. Bis zu 15 junge Männer schlafen zusammen in einem Raum. Auf die Frage, ob es nicht stört, mit so vielen Personen in einem Raum zu schlafen, antwortet N. Amar Jackson (im oberen Bild zweiter von rechts): Im Gegenteil, es fühlt sich an wie eine Familie.
Y. Vishnu Vardhan (links im oberen Bild) freut sich vor allem über die neuen Ventilatoren, die das heiße Wetter deutlich erträglicher machen.
Dr. Ranjan Babu Community Jr. College
Von 286 Schüler:innen sind 149 junge Frauen und 137 junge Männer. Wichtig ist zudem, dass über 70 % der Studierenden den sogenannten „Scheduled Castes“ angehören, also den Dalits, jenen Bevölkerungsgruppen, die historisch stark benachteiligt und sozial ausgegrenzt werden. Die meisten können sich eine staatliche Schule nicht leisten, deshalb ist es umso wichtiger, dass das RCJC ohne Schulgebühren weitergeführt werden kann. Für viele dieser jungen Menschen ist der Zugang zu weiterführender Bildung keine Selbstverständlichkeit, sondern eine wertvolle Chance auf gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Perspektiven.
Von den 286 Student:innen nutzen 206 die Wohnheime vor Ort, da ihre Heimatorte zu weit entfernt liegen oder die familiären Lebensumstände ein tägliches Pendeln unmöglich machen. Lediglich 80 wohnen in der näheren Umgebung und können von dort aus zum College kommen.
Bildungsangebote
Am RCJC werden sowohl allgemeinbildende als auch berufsorientierte Bildungsgänge angeboten. Im sogenannten Intermediate-Bereich können die Studierenden zwischen verschiedenen fachlichen Schwerpunkten wählen. Dazu gehören HEC (History, Economics, Civics) sowie CEC (Civics, Economics, Commerce), die jeweils in Telugu unterrichtet werden. Darüber hinaus werden die naturwissenschaftlich ausgerichteten Gruppen MPC und BiPC angeboten, mit den Fächern Mathematik, Physik, Chemie sowie je nach Schwerpunkt Biologie, die im englischsprachigen Unterricht (English Medium) stattfinden.
Im Bereich Vocational können die Studierenden die Fachrichtung MLT (Medical Laboratory Technology) im englischsprachigen Unterricht belegen. Zudem gibt es den Lehrgang MPHW (F), Multi-Purpose Health Worker, mit einem besonderen Fokus auf die Ausbildung von Frauen, das ebenfalls auf Englisch unterrichtet wird und gezielt auf Tätigkeiten im Gesundheitswesen vorbereitet.

Das RCJC bietet acht normale Klassenzimmer (Bild), zwei Labore, eine Bücherei, einen Sportraum und ein Büro für die Mitarbeitenden, verteilt auf sieben Gebäude.
Neben dem regulären Unterricht gibt es auch Sport- und Kulturangebote. Die Studierenden haben die Möglichkeit sich sozial z.B. bei BalaBatas zu engagieren, sie können den traditionellen Stocktanz lernen oder Cricket und Volleyball auf dem großen Gelände spielen. 2025 fand sogar die südindische Badminton Meisterschaft der Frauen auf dem Gelände statt.

Für die Mädchen gibt es einen Selbstverteidigungskurs.

Stocktanz bei der Jahresabschlussfeier.
Lebenswege nach dem College-Abschluss
Ein gutes Beispiel für die Erfolgsgeschichte des Dr. Ranjan Babu Community Jr. College war das Wiedersehen der Abschlussjahrgänge 2008 bis 2010 gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitenden. Mehr als 30 frühere Schüler:innen kehrten an ihr damaliges College zurück, viele von ihnen in Begleitung ihrer Familien. In persönlichen Beiträgen berichteten sie von ihren Berufswegen und dankten ihren ehemaligen Lehrkräften. Für viele von ihnen war das RCJC ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben. Entsprechend bewegend war es, frühere Klassenkamerad:innen und Lehrkräfte wiederzusehen, die Erinnerungen auszutauschen und gemeinsam auf die vergangenen Jahre zurückzublicken.

Geplant war, dass die Veranstaltung circa eine Stunde lang geht, am Ende waren es mehr als vier Stunden. Immer wieder betonen sowohl die ehemaligen Schüler:innen, als auch die Lehrkräfte, dass es sich nie wie eine Schule, sondern eher wie eine große Familie angefühlt hat.
Viele der ehemaligen Schüler:innen haben inzwischen beeindruckende berufliche Wege eingeschlagen. Einige sind heute im öffentlichen Dienst tätig. Andere haben Anstellungen bei großen Chemieunternehmen gefunden und sind dort in verantwortungsvollen Positionen tätig. Ein Absolvent hat ein eigenes Labor gegründet, das mittlerweile fünf Mitarbeitende beschäftigt. Das Wiedersehen machte deutlich, wie nachhaltig die Bildungsarbeit des Colleges wirkt, weit über die Schulzeit hinaus.
Starke Gemeinschaft
Eine weitere Besonderheit des RCJCs ist die Selbstverständlichkeit, mit der auch Schüler:innen mit Einschränkungen aufgenommen werden. Mary Kanaparthi, die Direktorin von CARDS, die selbst auch dort studiert hat, erinnert sich an einen Mitschüler, der eine starke Einschränkung in der Sicht hatte und heute bei der Zentralbank Indiens arbeitet.
Prakash Kumar J., dessen linker Arm seit seiner Geburt gelähmt ist, berichtet offen von seinem bisherigen Bildungsweg.

Zunächst besuchte er eine staatliche Schule, wo er jedoch immer wieder Diskriminierung und Ausgrenzung erlebte, was schließlich dazu führte, dass er die Schule abbrach. Als er vom RCJC erfuhr, reagierte er zunächst mit Skepsis, dennoch entschied er sich, einen neuen Versuch zu wagen. Heute erzählt er mit sichtbarer Freude vom starken Zusammenhalt am College. Besonders bewegt ihn die Selbstverständlichkeit, mit der seine Mitstudierenden ihn unterstützen. Bei Aufgaben, bei denen er Hilfe benötigt, stehen ihm seine hier gewonnenen Freunde zur Seite, ohne Vorbehalte, ohne Mitleid, sondern aus echter Gemeinschaft heraus.
Die 16-jährige Samaikya Keerthana ist im ersten Jahr zur Multi-Purpose Health Worker (MPHW).

Sie erzählt, dass sie die zehnte Klasse nur mit großer Mühe bestanden habe. In ihrer Familie wuchs daraufhin die Überzeugung, dass eine weitere Schulbildung wenig sinnvoll sei. Als sie jedoch erfuhr, dass das RCJC keine Schulgebühren erhebt, überredet sie ihre Eltern. Ihre jüngere Schwester verstarb infolge unzureichender medizinischer Versorgung. Die Ausbildung zur Gesundheitshelferin ist für sie daher weit mehr als ein beruflicher Weg, sondern der Wunsch die medizinische Versorgung in den Dörfern zu verbessern.
Bericht und Fotos Nele Danner







